Vielleicht planen Sie einen Besuch, vielleicht sind Sie neu zugezogen, vielleicht sind Sie hier einfach „vorbeigesurft“ und hängen geblieben? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie ein wenig durch unsere Seite blättern:

Seelsorgeteam, haupt- und ehrenamtliche Verantwortliche und viele Menschen sind bei uns „Kirche vor Ort“. Die Homepage dient als Information, sie kann und will aber nicht die persönliche Begegnung ersetzen. Deshalb laden wir Sie ganz herzlich ein, unsere Gemeinde kennen zu lernen. Unsere gemeinsamen Gottesdienste, sowie die Arbeit in Gruppen und Verbänden erfüllen keinen Selbstzweck:

Als Christen sind wir mit Gott und den Menschen unterwegs und für unseren Nächsten da. Das versuchen wir in vielfältiger Weise. Wir würden uns freuen, Sie dafür interessieren zu können.


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Aus dem aktuellen Pfarrbrief Roding

Mein Wort an Sie

Ich darf Ihnen an dieser Stelle wieder einmal eine Mail mit Antwort präsentieren, die ich – wie immer – aus Datenschutzgründen anonymisiert habe:

 

Sehr geehrter Herr Kruschina,

mein Name ist NN (…) Ich würde sehr gerne in einem Fachreferat die Gegenmaßnahmen von Kirchenaustritten in der katholischen Kirche erfassen.

Meine Recherchen zu den Gegenmaßnahmen sind, meiner Meinung nach, etwas ernüchternd. Daher habe ich mich dazu entschlossen, direkt an der Quelle nachzufragen, welche Gegenmaßnahmen Sie ergreifen, um Kirchenaustritte einzudämmen bzw. vorzubeugen. Ebenso würde mich interessieren, wie Sie eine Brücke zu den Jugendlichen schlagen, die nicht mehr überzeugt sind von der katholischen Kirche. Sie würden mir mit ein paar Informationen sehr stark weiterhelfen.

Ich bedanke mich schon in Voraus, für Ihre Bereitschaft sowie Ihre Zeit. Ich bitte Sie um eine baldige Antwort.

Mit freundlichen Grüßen NN

 

Liebe NN,

das ist natürlich ein dickes Brett, dass es da zu bohren gilt. Es gibt ausreichend Untersuchungen und Befragungen wie und warum sich das Verhältnis der Menschen und vor allem der jüngeren unter ihnen zu Glaube und Kirche verändert. Das zu wissen ist selbstverständlich wichtig, wenn man nach Wegen sucht, bei den Menschen anzuknüpfen. Das bedeutet aber auch einen realistischen Blick, ob und in welchem Bereich es überhaupt gelingen kann.

Kurz gefasst sind wir in einer zum einen massiven gesellschaftlichen Transformation, zum anderen auch in einer Umwälzung, welche Rolle Spiritualität im persönlichen und gemeinsamen Leben spielt.

In der Gesellschaft brechen klassische Milieus auf und es bilden sich gleichzeitig neue. Innerhalb eines Milieus gibt es so etwas wie Übereinkünfte an Werten und Verhalten, wozu auch Glaube und Verhältnis/Zugehörigkeit zu Gruppen und Institutionen gehören. Spürbar ist das z.B. auch bei Vereinen und Parteien etc. in unserer Gesellschaft.

https://www.sinus-institut.de/

Hier kann grob gesagt werden, dass eine stärkere Individualisierung und Fragmentierung eingetreten ist, ebenso eine gewisse Kurzlebigkeit. Heißt: Ich gehöre nicht mehr automatisch zu einer Gruppe. Diese ist dann dafür meistens eine kleinere, überschaubare Einheit und keine Massenbewegung. Und egal ob Teilnahme und Engagement: Eher punktuell (Singulärereignis, bspw. ein „Event“), projektbezogen (überschaubarer Zeitraum, klares Ziel, das – wenn erreicht – auch das Engagement beendet, bspw. eine „Aktion“), weniger auf Dauer angelegt. Das schlägt sich bis ins Private durch (wechselnde Peer-Groups, höhere Scheidungsraten).

Dieses Verhalten hat gleichzeitig einen Gegenpol, einen Ankerpunkt, weil man auf Strukturen setzt, die für Nähe und Verlässlichkeit stehen: Familie, Freundschaft - und sich dabei auch eine neue Bescheidenheit zeigt (Erfolg und Geld sind weniger wichtig als „nur“ ausreichendes Einkommen und freie Zeit).

In diesem Wandel hat eine „Institution“ Kirche (große Gemeinde/Anonymität, regelmäßige Versammlung, verlässliches Engagement) schlechte Karten.

 

Als zweites kommt hinzu, dass Religion und Spiritualität im Leben der Menschen einen fundamentalen Wandel mitmachen.

Glaube wird individuell: durch die Fülle an „Angeboten“ und das Verhalten in anderen Lebensbereichen, wird auch der persönliche Glaube individualisiert. Ich picke mir aus dem – auch christlich - Gewachsenen (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Reliunterricht, Familientraditionen, kirchliches Brauchtum) das heraus, was in mein Sinnkonzept passt und mich stützt. Damit gibt es u.U. einen kleinsten gemeinsamen Nenner (es gibt eine höhere Macht, Friede und Liebe sind wichtig …), aber keinen Grund diesen Glauben mit anderen zu teilen oder in einen Dialog zu treten.

Glaube wird persönlich: der o.a. Trend führt dazu, dass über den Glauben (nicht über „Kirche“, da gibt es einen negativen Konsens! s.u.!) weitgehend nicht mehr gesprochen wird. Das geht bis in die erste und engste Peer-Group, in die Familie hinein. Über Rituale mit den (kleinen) Kindern hinaus, findet gemeinsames Gebet oder Austausch über den Glauben so gut wie nicht mehr statt. Das führt zu einer gewissen Sprachunfähigkeit untereinander und schließlich auch im Gebet. Der Glaube verdunstet, lebenssinnstiftend werden andere Faktoren (Beziehungen, Beruf, Konsum, Charity…) Man spricht leichter über anderes „Intimes“ (finanzielle Situation, Sexualität), Glaube wird zum Tabu; wenigstens ist „man“ sich dann einig, dass das Ganze mit „der Kirche“ nicht viel zu tun hat, was zum dritten Punkt führt:

 

Das Image der Kirche in der Öffentlichkeit ist gelinde gesagt miserabel. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Themen Macht und Geld negativ besetzt sind oder der Missbrauch in kirchlichem Rahmen aufgearbeitet wird, sondern auch, dass ausschließlich negativ darüber berichtet wird, bzw. konstruktive Berichterstattung keine Aufmerksamkeit findet. Gerade Zahlen und Fakten zum Thema Missbrauch sind wahnsinnig komplex und es ist mühsam, aus der Schlagzeile „116 neue Missbrauchsfälle“ (kurz vor Weihnachten in den Zeitungen) herauszufiltern, dass sich im ganzen Jahr 2022 in ganz Bayern 116 neue Opfer gemeldet haben, die seit 1946 Missbrauch erfahren haben. Dass keiner dieser „Fälle“ aus den letzten 20 Jahren datiert, dass nur ein Teil dieser Fälle echter Missbrauch waren, sondern auch „grenzverletzendes Verhalten“ mit erfasst wurde und dass es sich meist um Täter handelt, die bereits bekannt sind. Dass die Kirche ausdrücklich alle Opfer auffordert, sich zu melden, obwohl staatlich längst Verjährungsfristen eingetreten sind, und dass sie diesen Personen, meist im Gegensatz zu anderen Institutionen (Vereine, staatl. oder private Erziehungseinrichtungen, Schulbereich – Familie!), Anerkennungsleistungen zahlt und das Thema aufarbeitet.

Das zu sehen und damit dem allgemeinen Narrativ sachlich gegenzuargumentieren erfordert einen ausgesprochenen Willen und viel Zeit und Recherche. Da ist es einfacher, in das Lied einzustimmen und sich dem Mainstream anzupassen. Das ist eine sachliche Feststellung, kein Vorwurf.

 

Daher: Was kann Kirche tun, um insbesondere jungen Menschen zu erreichen?

 

1.     Man geht mit der Zeit und macht niederschwellige, projektbezogene Angebote, z.B. 72-Stunden-Aktion des BDKJ, Freizeitveranstaltungen und Reisen. Am besten nicht mit dem Label Kirche.

2.     Man verstärkt positiv die Anknüpfungspunkte, die sich in einer entkirchlichenden Volkskirchensituation noch finden lassen, vor allem im lebensbegleitenden, biografischen Bereich (Kindersegnung, Familienwanderung, Jugendgottesdienste, Fahrzeugsegnung, und natürlich die klassischen Dinge wie Taufe etc.), um eine lose Verbindung zu halten.

3.     Man bietet im klassischen Bereich (Mini-Arbeit, Jugendverbände, Unterricht) Anknüpfungspunkte.

4.     Man versucht sich im digitalen Bereich. Der muss allerdings sehr professionell sein, um mithalten zu können und wird daher eher von Profis (digitale Jugendkirche etc.) angeboten – ist auch leicht möglich, weil keine lokale Bindung nötig ist.

Aus der Gruppe der so Begegneten kann ein Teil, zumindest auf Zeit, näher an Glaube, Gemeinde, Kirche heranrücken. Wer das als sinnstiftend erfährt, wird bleiben und sich dann auch evtl. in der Gemeinde in ihrer klassischen Form wiederfinden/einbringen. Wichtig ist auf alle Fälle „ansprechbar“ zu sein und Begegnungen zu nutzen. Aktive „Mission“ dürfte vor allem in Zeiten negativen Images mehr als schwierig sein.

 

Klar muss aber auch die Erkenntnis auf beiden Seiten wachsen:

Es ist Aufgabe der Kirche, Menschen zu Christus zu führen, nicht Mitglieder zu rekrutieren!

Menschen müssen Christus begegnen wollen. Wenn sie dieses Bedürfnis nicht haben, braucht es für sie auch keine Kirche, um ihm dort zu begegnen.

Letzteres kann freilich biografisch an ganz unterschiedlichen Punkten geschehen: als Kind, als Jugendlicher auf der Suche nach Orientierung, als erwachsener Mensch in lebensdichten oder krisenhaften Zeiten. Darum ist ein „Angebot“ wichtig, muss aber nicht nachgefragt werden. Das muss man als Gemeinschaft aus- und durchhalten.

Ihr Pfarrer

Holger Kruschina